blockupy 2015


Naomi Klein sagte während der Kundgebung auf dem Römer an die EZB gewandt:

"Ihr seid die wahren Randalierer. Ihr zündet keine Autos an, ihr setzt die Welt in Brand."


 

 

 

Weitere Infos findest du beim blockupyBündnis

Interview mit Katy Weber (Sprecherin Attac Schwalm-Eder) zu den blockupy-Protesten rund um die Eröffnung der EZB in Frankfurt mit Daniel Göbel / MB-Media am 23.03.

 

Frau Weber, die Polizei zeigte sich besorgt und überrascht über das Ausmaß der Krawall während der Blockupy-Demonstrationen. Waren Sie auch überrascht?

Katy Weber: Nein, überhaupt nicht. Schon vor der Demonstration hat die Polizei in den Medien deutlich gemacht, dass die Demonstrationen zur Eröffnung der EZB-Zentrale vom dem größten Polizeieinsatz in der Geschichte Frankfurts begleitet werden. Meines Wissens waren 32 Wasserwerfer – also alle aus ganz Deutschland – im Einsatz. Insofern wirkt es unglaubwürdig, wenn die Polizei behauptet, auf die Proteste nicht vorbereitet gewesen zu sein. Dieses machtbewusste Auftreten der Polizei sollte Menschen von vornherein einschüchtern, angstmachen und provozieren.

2.   Also glauben Sie, dass auch das Auftreten der Polizei mitverantwortlich ist, wenn Proteste in Krawalle ausarten?

Für mich sah alles danach aus, als sei es genauso gewollt. Die Polizei braucht Bilder von brennenden Autos um den irrwitzigen Einsatz zu rechtfertigen. Wie blöd hätten sie dagestanden, wenn alles völlig friedlich verlaufen wäre? Wir haben am Vormittag selbst gesehen, wie leere Polizeiwagen in der Nähe von brennenden Barrikaden platziert wurden. Es hat nicht lang gedauert, bis auch sie in Flammen aufgingen, ohne von der Feuerwehr gelöscht zu werden. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

3.   Wie haben Sie denn die Demonstrationen erlebt?

Insgesamt gab es drei Kundgebungen, um 12, 14 und um 17 Uhr. Wir waren schon am Vormittag in der Stadt. An der Flöserbrücke in der Nähe des EZB-Turms wurden wir von der Polizei aufgefordert, zehn Meter nach hinten zu gehen – warum auch immer. Einen offensichtlichen Grund gab es dafür nicht. Immer wieder gab es diese Machtdemonstrationen der Polizei. Die Proteste waren kreativ bunt und laut. Es gab viel Musik, Sprechchöre, bunte Banner und Menschen haben auf der Straße getanzt, auch Urban Priol hat mit seinem Auftritt seine Solidarität mit der blockupy-Bewegung bekundet. Leider kam das in der Berichterstattung der Medien kaum vor. Abgesehen von den Aktionen am Vormittag verlief alles friedlich. Allerdings war der Demonstrationszug von der Polizei immer wieder eingekesselt. Das Blockupy-Bündnis und Polizei hatten vorher vereinbart, dass der Demonstrationszug vom Römer in der Innenstadt zum Opernplatz zieht. Durch die Kesselaktion der Polizei war es nicht möglich, den Demonstrationszug zu verlassen, oder von außen hinzuzustoßen. Das ist meines Wissens nicht üblich.

4.   Insgesamt haben rund 25 000 Menschen gegen die EZB-Eröffnung protestiert. Finden Sie es schade, wenn der friedliche Protest von einigen Krawallmachern überschattet wird?

Ich finde brennende Gegenstände nicht gut. Ich kann aber die Wut der Menschen verstehen, wenn ich dies im Kontext zur Sparpolitik der EU sehe. Viele DemonstrantInnen kamen aus Italien, Frankreich, Spanien, …  aus Ländern mit einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent. Diese Länder werden kaputt gespart. Es entsteht eine Generation die völlig chancenlos ist.

Gleichzeitig leisten wir uns Großkonzerne, wie IKEA, Apple, Starbucks, die riesige Gewinne machen doch durch „globale Steueroptimierungsmodelle“ kaum Steuern zahlen. Dann wird oft berichtet, dass Griechenland Milliarden erhält. Es wird nicht gesagt, dass dieses Geld kaum bei der Bevölkerung ankommt, sondern dazu dient, die Zinsverpflichtungen europäischer Großbanken zu bedienen. Davon profitieren wieder mal die Banken, nicht die griechische Bevölkerung.

Die kapitalismuskritische Bewegung startete  2008 an der New Yorker Wallstreet. Es ist eine junge Bewegung die langsam aber stetig das Märchen von Wachstum, von permanenten Konsum und Überproduktion als Heilbringer aufklärt. Immer mehr Menschen erkennen, dass diese Schraube längst überdreht ist und wir seit Jahrzehnten damit einen unverantwortlichen Rauban unserer Welt, die unsere Lebensgrundlage ist, betreiben.

Das ist aus meiner Sicht ein Verbrechen.

5.   Trotzdem scheint die Mehrheit der Bevölkerung kein Verständnis für brennende Barrikaden und Polizeiautos zu haben. Können Sie das verstehen?

Ja, das kann ich. Allerdings halte ich das für eine seltsame Vorstellung von Moral. Als auf dem Maydan in der Ukraine Barrikaden brannten, haben wir das als Befreiungskampf gefeiert. Hierbei handelt es sich um Sachbeschädigung und es werden keine Menschenleben aufs Spiel gesetzt. Es entsetzt mich, dass brennende Barrikaden mehr mediale Aufmerksamkeit bekommen, als brennende Flüchtlingsheime.

Die Aussage der Kanadierin Naomi Klein während der Kundgebung auf dem Römer fasst die Situation für mich perfekt zusammen, sie sagte an die EZB gerichtet: "Ihr seid die wahren Randalierer. Ihr zündet zwar keine Autos an, doch ihr setzt die ganze Welt in Brand."